Erinnern heißt kämpfen

Während der Hochzeit der Revolution 1918/1919 wurden Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in der Nacht des 15. Januar 1919 grausam durch faschistische Freikorps ermordet. Diese Tat reihte sich in den fanatischen Abwehrkampf der reaktionären Kräfte zur Niederschlagung des ArbeiterInnenaufstands ein. Die Zeit war für das deutsche Proletariat vielversprechend, denn die russische Revolution versprach den SozialistInnen das baldige Erreichen ihrer historischen Aufgabe. Dass die Reaktion mit Rückendeckung der SPD beschloss, sich der führenden Köpfe der kommunistischen Bewegung zu entledigen soll uns bis heute zur Mahnung reichen. In Erinnerung an Rosa und Karl und den vielen anderen toten VorkämpferInnen findet diese jährliche Demonstration statt.

Auch heute bewegen wir uns als SozialistInnen und KommunistInnen in stürmischen Zeiten:
Faschistische Kräfte in der BRD werden stärker. Die Wahlergebnisse der letzten Landtagswahlen zeigen, dass die AfD zunehmend mehr Stimmen erhält. Organisierte Neonazis verüben wieder Attentate und ermorden Menschen. In Halle versuchte der Faschist Stephan Balliet an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, einen Anschlag in einer Synagoge zu verüben. Als dies scheiterte, erschoss er eine Frau vor der Synagoge und anschließend einen Gast eines Döners-Imbisses. Neonazis in ganz Europa organisieren sich in Kampfsportnetzwerken gemeinsam mit rechten Hooligans. Sie trainieren und bewaffnen sich. Sie führen große Events mit Konzerten durch und sammeln so Geld für die Szene. Doch nicht nur in der BRD werden die Reaktionären stärker, sondern weltweit organisieren sie sich, sei es auf den Philippinen, Brasilien oder jüngst in Bolivien. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat vor kurzem mit islamistischen Banden das kurdische selbstverwaltete Rojava in Syrien angegriffen. Es sind die mutigen HeldInnen der YPG, YPJ und der internationalen Brigaden, welche die Menschen in Rojava verteidigen, während der herrschenden Klasse daran gelegen ist, dieses freiheitliche Projekt zu vernichten. Gleichzeitig wird versucht, revolutionäre Strömungen auf der ganzen Welt klein zu halten und zu zerschlagen.

Auch in der BRD schlägt die herrschende Klasse auf die ArbeiterInnenklasse ein, dies ist subtiler und langfristiger organisiert, aber soziale Kämpfe nehmen aktuell wieder zu. Die Kapitalistenklasse ist hier durch langjährige Erfahrung bestens organisiert, so bereiten sie ihre Angriffe frühzeitig ideologisch vor, wie es bei der Agenda 2010 medial geschehen ist, die Schuld für die Abwärtsspirale wurde bei “Sozialschmarotzern” oder “Asylbetrügern” gesucht. Die Faschisten verschärfen gezielt diese gesellschaftliche Diskussion und dienen damit direkt der herrschenden Klasse. Egal wie sozial demagogisch sich einzelne Fraktionen der Faschisten geben, im Endeffekt treten sie für die Zerschlagung der ArbeiterInnenbewegung durch einen terroristischen und äußerst brutalen Staat ein. Der Klassenwiderspruch wird durch eine angebliche Volksgemeinschaft verschleiert, mit dem Ziel der Mobilmachung für den Krieg nach innen und außen. Neben irrationalen Momenten der faschistischen Ideologie, dient der Faschismus einzelnen Kapitalfraktionen dazu, ihr Interesse mit allen Mitteln durchzusetzen.

Deshalb darf sich unser Antifaschismus nicht darin erschöpfen, Nazis hinterher zu fahren und nur Gegendemonstrationen zu organisieren. Ein konsequenter Antifaschismus muss sich auch gegen den Kapitalismus schlussendlich richten, wenn er nicht nur an der Oberfläche kratzen will. Wenn wir den gesellschaftlichen Rechtsruck also aufhalten wollen, dann müssen wir ein inhaltliches und kulturelles Profil entwickeln, welches den Zwängen und Unterdrückungsmechanismen des Kapitalismus etwas entgegensetzt. Unser Antifaschismus muss also zugleich feministisch, antirassistisch und klassenkämpferisch sein, sowie eingebunden in eine linke Gegenmacht. Diese Gegenmacht kann es schaffen uns den Weg hinzu einer wahrlich gerechten Gesellschaft zu ebnen. Um unser Ziel dieser gerechten Gesellschaft zu erreichen müssen wir alle zusammenstehen, die ehrlich für eine Welt ohne Klassen, Unterdrückung und Herrschaft kämpfen! Daraus resultiert, dass wir uns nicht nur in subkulturellen Szenekontexten bewegen dürfen, sondern in die Gesellschaft hinein müssen. Einzig ein klassenbewusster Antifaschismus ist somit in der Lage unsere Ziele und Forderungen den Menschen unserer Klasse zu vermitteln, um mit ihnen zusammen die Herrschenden und ihre Kampfhunde zu besiegen. Damit stehen wir in Tradition zu Rosa und Karl, die ihr Bestes taten um uns einen Grundstein zu legen. Dieser Grundstein ist das Fundament, auf dem wir als klassenbewusste AntifaschistInnen aufbauen können.
Hinein in den roten Teil des Antifa-Blocks. Lasst uns alte Wege wiederentdecken, neue finden und aus einer Szene eine schlagkräftige Bewegung aufbauen.
Für einen klassenbewussten Antifaschismus!

 

12.01.2020 um 10 Uhr U-Frankfurter Tor (Berlin)