Hamburg

Anfang März 2017 eröffnete im Hamburger Stadtteil Barmbek der Laden “Nordic Company”, welcher die in der rechtsradikalen Szene beliebte Marke “Thor Steinar” vertrieb. Da diese Marke durch Symbolik und mehrdeutige Sprüche gezielt nationalsozialistische Inhalte verbreitet, dient sie seit Jahrzehnten als Identifikationsmittel in der Neonazi-Szene. Nach breitem zivilgesellschaftlichem Protest und einer Klage der Eigentümergemeinschaft musste der Laden Ende 2017 wieder schließen. Immer wieder versuchen Neonazis ihre Ideologie zum Teil zu verschleiern, um größere Kreise anzusprechen. Die aktivste Struktur der rechten Szene in Hamburg ist der Dunstkreis um die „Merkel muss weg“ (MMW) Kundgebungen, die nun schon seit September 2018 verschiedene Aktionen organisieren. Mittlerweile nennen sie ihre Aktionen „Deutscher Michel, wach endlich auf“. Zur Mobilisierung für die Kundgebung dienen zwei Facebook-Gruppen. Zum einen die altbekannte MMW-Gruppe, welche schon seit einem Jahr für die Aufmärsche wirbt und zum anderen eine weitere Gruppe namens „Heimat-Patriotismus-Zukunft“ (HPZ). Sie veranstalteten erst monatlich, dann unregelmäßiger zentrale Kundgebungen mit bekannten Rechten, jedoch mit abnehmender Resonanz. Der eigentliche Strippenzieher hinter diesen Aktionen ist Thomas Gardlo, ehemaliger Bodyguard des früheren Innensenators Ronald Schill und Kampfsport-Trainer der völkischen Identitären Bewegung (IB). Das Publikum reicht von AfDlern und ihren SympathisantInnen, über Identitäre, Burschenschaftern, Nazi-Hooligans und NPD-Kadern, bis hin zum Ku-Klux-Klan.
Nachdem Bernd Lucke, HamburgerWirtschaftsprofessor und Führungsfigur der AfD, den Machtkampf in der Bundespartei verloren hat, macht sich auch in Hamburg ein Rechtsruck bemerkbar, der durch den Austritt von Frauke Petry zudem an Fahrt gewonnen hat. Gestärkt von Wahlergebnissen können sie Diskurse auch in Hamburg forcieren. Zwar hat die Partei immer größere Probleme Räume anzumieten, doch im Rathaus können sie sich breitmachen. In Hamburg haben die Rechtspopulisten Kontakte zur Neonazi-Szene und immer wieder gibt es Aktionen, die von beiden Seiten besucht werden.
Interne Streitigkeiten auf Bundesebene und die Gründung der AfD haben der NPD zwar ein gewisses Potenzial geraubt, dennoch ist die NPD aktiv und treibt ihr Unwesen. Wahlerfolge sind nicht zu erwarten, aber durch den Generationswechsel könnten sie langfristig eine weitere Scharnierfunktion zwischen Konservativen und Neonazis erfüllen. Zum Geburtstag von Adolf Hitler wollte die NPD 2019 eine Abschlusskundgebung in Harburg abhalten, die sie dann absagte. Vorher tourten sie schon durch Hannover, Göttingen und Lüneburg. Lennart Schwarzbach ist sowohl Vorsitzender des NPD-Landesverbands Hamburg als auch der Jugendorganisation JN-Stützpunkt Hamburg-Nordland. Außerdem ist dem hinzuzufügen, dass die Hamburger Strukturen traditionell eng mit denen aus Schleswig-Holstein verbunden sind. Sie organisieren bisher kleinere spontane Aktionen, u.a. verteilten sie Kleiderspenden an deutsche Obdachlose oder liefen spontan im Herbst 2018 zwei mal „Schutzstreife“ in Farmsen-Berne und verteilten Taschenalarme. Auch die NPD hat die sozialen Medien seit einiger Zeit für sich entdeckt und verbreitet dort ihren menschenverachtenden Müll. Nach der Auflösung der Kameradschaft „Sektion Nordland“ Mitte 2018 tritt diese nicht mehr als Struktur öffentlich auf, jedoch sind einzelne Mitglieder noch auf größeren Nazi-Events aktiv und sind keinesfalls verschwunden.
Die Identitären sind seit etwa 2016 wieder in Hamburg aktiv und eng mit den umliegenden Bundesländern vernetzt. Ihr Hauptarbeitsfeld besteht aktuell darin, in bestimmten Stadtteilen Aufkleber zu kleben und spontane Kleinstaktionen durchzuführen, die sie vor allem für soziale Medien inszenieren. Zur Jugendorganisation der AfD gibt es immer wieder personelle Überschneidungen aber auch zur faschistischen Burschenschaft Germania. Im Umfeld ihres Germanenhauses, in der Sierichstraße 23, werden immer wieder Aufkleber verklebt. Sie nutzen es auch als Treffpunkt, nehmen an den Veranstaltungen der Burschenschaft teil und wurden zu „Wehrsportübungen“ eingeladen. Die Burschenschaft Chattia richtet sich vor allem an SchülerInnen und Auszubildende, um somit Jugendliche schon früh für den „Nationalsozialismus“ zu gewinnen. Sie ist ziemlich verschlossen und tritt sehr selten öffentlich auf, dient aber als Nachwuchsschmiede der rechten Szene.
Die bundesweit bekannten Neonazis Christian Worch und Thomas Wulff wollen mit der Partei „Die Rechte“ am 1. Mai 2020 durch Hamburg-Bergedorf marschieren. Zwar ist die Partei „Die Rechte“ in Hamburg nicht aktiv, jedoch ist (noch) nicht einzuschätzen, ob es sich vielleicht doch zu einem Großevent entwickeln wird. In den Hamburger Randbezirken machen sich Rechte wieder breit und seit einiger Zeit bedrängen junge Neonazis im Kleingartenverein des Bergedorfer Stadtteils Tatenberg Menschen. Der Kampf gegen Nazis wird damit jenseits der Szenestadtteile eine immer größere Bedeutung einnehmen müssen. Raus aus der Wohlfühlzone!

Bremen

Wir versuchen hier einen kleinen Abriss über faschistische Kräfte in und um Bremen zu geben.
Dies hat nicht den Anspruch eine ganzheitliche Übersicht zu geben, sondern nur einen kleinen Überblick über die groben Strukturen unsere Stadt aufzuzeigen.

Seit 2013 versucht die Identitäre Bewegung in Bremen Fuß zu fassen. Was lange nicht gut funktionierte, klappt mittlerweile besser und es gab hier ein paar Aktionen, die sich bis jetzt aber auf Happenings beschränken. Sie ist aber aktuell einer der aktivsten rechten Gruppen in Bremen. Sie hat mehr Zuwachs als jede andere rechte Bremer Gruppe und könnte mit der Zeit auch noch mutiger werden. Es gibt darüber hinaus gute Kontakte zu den lokalen Parteifunktionären der AfD und zu der Jungen Alternative.

Es gibt hier eine kleine, aber sehr weit rechts stehende Ortsgruppe der Nazis in Anzügen. Aus dem Bremer Lager gibt es regelmäßig aktive Schützenhilfe für Bernd Höcke und viele Mitglieder sind auch aktiver Teil der „Patriotische Plattform in der AfD“. Trotzdem kriegen sie zum Glück aktuell in Bremen noch sehr wenig hin, klägliche Versuche dauerhafte Kundgebungen zu veranstalten sind am breiten Protest und auch an sich selbst gescheitert. Bisher hat man auch erfolglos versucht, ein lokales Parteibüro zu eröffnen. Sonst begnügt man sich mit unangekündigten Blitzinfoständen an verregneten Sonntagen in der leeren Innenstadt. Das soll aber nicht über das Bremer Wahlergebnis hinweg täuschen, auch im vermeintlich so linken Bremen kam die AFD auf 9,3% bei der Bundestagswahl 2017.

Eine Sache, für die Bremen bundesweit bekannt ist, sind wohl die ortsansässigen rechten Hooligans.
Deren goldene Zeiten sind schon länger vorbei. Mittlerweile mangelt es an Nachwuchs und die alte Garde konzentriert sich teilweise lieber auf das Rotlichtmilieu oder ist dem Alkohol verfallen. Trotzdem versuchen sie ab und zu, mit ihren Freunden aus Essen, an besonderen Eventtagen den Mythos aufrechtzuerhalten. Das funktioniert aber aktuell nur, wenn sie tatkräftige Unterstützung von ihren Freunden bekommen. Dann kommt es auch mal zu Angriffen auf linke Ultras wie in der Vergangenheit. (Verdener Eck 2015, Schänke 2017) Davon abgesehen gibt es noch Strukturen, die bei HoGeSa und später dann bei Gemeinsam Stark Deutschland aktiv mitwirken. Diese Kräfte mobilisieren sich aus dem Umfeld der rechten Hooligans und ihren Freunden. Größtenteils sind diese Strukturen nur außerhalb von Bremen sichtbar geworden, in Bremen selber hat man es bei ein bis zwei kläglichen Versuchen belassen. Mittlerweile klärt sich dieses Problem sogar schon teilweise von alleine (Ruhe in Frieden Captain Flubber). Wir hoffen, der Trend setzt sich fort! Zusammenfassend ist aus diesem Milieu vor Ort aktuell nicht so viel zu erwarten und im normalen Alltag ist er fast unsichtbar, trotzdem arbeiten Teile von ihm aktiv in bundesweiten rechten Strukturen und der rechte Lifestyle wird weiterhin auch von hier geprägt (Kategorie C, Endstufe). Dies beschreibt nur eine Momentaufnahme, das kann sich durchaus auch wieder ändern und ein großes Mobilisierungspotenzial haben die Rechten weiterhin.

Auch wenn es im Bremer Stadtgebiet relativ ruhig ist im Alltag, sieht das in Bremens Randgebieten und im Bremer Umland ganz anders aus. Dort fühlen sich Althools, rechte Kameradschaften und rassistische Strukturen sehr wohl. Das bekommen dann meist junge Antifas zu spüren, die dort in den Randbezirken leider zu oft allein gelassen werden.
Hier ist als Beispiel Bremen-Nord zu nehmen. Dort gibt es schon lange rechte Strukturen, die sich breitgemacht haben, „Ultra“- Gruppen gründen ( Farge Ultras, mittlerweile verboten), sich an No-Go Areas versuchen und aktiv dort die jungen linken Strukturen angreifen. Hier ist die Bremer antifaschistische Szene gefragt, sich auch mal aus ihren Vierteln raus zu bewegen und auch mal da hinzugehen, wo man sich sonst nicht so wohlfühlt.

Dieses Jahr im August hat sich ein Ortsverband Die Rechte Bremen gegründet. Aktuell ist uns darüber nicht viel bekannt und öffentlich sind sie, bis auf Stickeraktionen, noch nicht in Erscheinung getreten. Hier bleibt abzuwarten was sich die nächsten Monate ergibt.

Es gibt natürlich noch einige andere Zusammenhänge und Kleingruppen, wir wollten hier aber nur einen kleinen Einblick in die unserer meiner Meinung nach relevantesten Gruppen geben. Uns ist klar das Antifaschismus auf vielen Ebenen passieren muss und man sich auch mal die Hände schmutzig machen muss. Dabei können wir vom Staat nichts erwarten. Unser Antifaschismus ist immer revolutionär und geht Hand in Hand mit unserem Kampf gegen Staat und Kapital.

Salzwedel

Die Realität für viele Menschen in Salzwedel ist hart. Die kleine Kreisstadt in der Altmark zeigt sich von ihrer hässlichsten Seite. In jedes vorbeifahrende Auto wird sofort reingeschaut, das Nummernschild mit der im Kopf verinnerlichten Liste verglichen.
Es ist die Angst vor den vollbesetzten Fascho-Autos. Das ist Alltag vieler Menschen in Salzwedel, allein im Oktober zählt die Mobile Opferberatung für rechte Gewalt 17 Übergriffe für das Jahr 2018. Dabei sind die täglichen Pöbeleien und Anquatschversuche nicht einmal mit einbegriffen.
Die aktive Neonaziszene in Salzwedel setzt sich aus einem eher losen freundschaftlichem Verband zusammen, anders als zuvor die „Freien Nationalisten Altmark Werst“ (FNAW), die klar eine kameradschaftliche Gruppierung war. Im Kern sind es ca. 10 bis 15 Personen im Alter von 18 bis 25 Jahren, die aber z.T. gute Kontakte zu Einzelpersonen der FNAW und weiteren, in der Altmark alteingesessen, Rechten pflegen. Das macht ihr Mobilisierungspotenzial und ihre Verbindungen umso gefährlicher. Dazu noch eine Priese von Überschneidungen zur Jungen Alternative und der Scheißecocktail ist fertig – Willkommen in Salzwedel.
Gewalt ist dabei Programm: nie ohne Baseballschläger oder Teleskopstock, nie mit weniger als vier Leuten, nie ohne Autos. Neuerdings gehört auch eine Gaspistole mit Laservisier zum Starterpack. Geschossen wurde auch schon und Leute hatten einen roten Punkt zwischen den Augen. Die Ziele sind klar: Einschüchterung, Aufbau einer Drohkulisse, Psychoterror.
Was noch bis vor ein paar Jahren unvorstellbar war, ist heute Realität: Bemerkbar ist, dass die Faschisten sich in einer deutlichen Weiterentwicklung befinden. So werden Angriffe teilweise immer organisierter: Anfang Juni 2018 stürmten mehrere vermummte Personen in das Autonome Zentrum Kim Hubert in Salzwedel und überfielen dort schlafende Menschen, zerstörten Möbel vor deren Augen. Abgesichert mit einer Rauchbombe flohen die Faschos wieder. Bei einer antifaschistische Solidaritätsdemo Anfang Juli in Salzwedel störten Neonazis die Demo, in dem sie ein Transparent ausrollten – eine Aktionsform, die neu für sie war. Ziel wurde im September das soziokulturelle Zentrum Hanseat, ein Veranstaltungsort in Salzwedel. Willkürlich wurden vor der Kneipe stehende Personen krankenhausreif geschlagen. Eine ausführliche Chronik rechter Angriffe in Salzwedel findet ihr auf: augenaufsaw.net.
Wie in der Jungen Alternative können sie sich auch in Sportvereinen oder auf Stadtfesten problemlos herumtreiben, so werden sie bei der Arbeit oder in ihrem Umfeld bedenkenlos geduldet. Beispielhaft ist hier der Kuhfelder SV – einen Sportverein in der Nähe von Salzwedel in dessen Fußball-Herrenmannschaft 8 von 11 Spielern aktive Neonazis sind. In der Konfrontation damit heißt es nur: „Nazis? Nein, so etwas haben wir nicht!“.

Burg

Burg ist eine Provinz in Sachsen-Anhalt, mit ca. 23.000 Einwohnern, in der es über viele Jahre ein massives Naziproblem gab. Im Jahre 2010 bildete sich das „Freie Netz“ in der Stadt und bestand aus ca. 20 aktiven Neonazis, die Ordner auf Großdemonstrationen stellten und immer wieder Übergriffe auf Geflüchtete und Linke verübten. Im Jahr darauf löste sich das „Freie Netz“ wieder auf, was vor allem dem aktiven Vorgehen der Antifaschisten aus Burg zu verdanken war. Im Jahr 2011 wurde es ruhig in Burg, die Nazis waren zu dieser Zeit ein loser Haufen der nicht in der Lage war der starken antifaschistischen Struktur etwas entgegenzusetzen. Bis zum 16.01.2012., beim jährlichen Trauermarsch zur Bombardierung Magdeburgs trat „die Aktionsgruppe Burg (AGB)“ in Erscheinung. Am gleichen Tag kam es dann zu einem Angriff auf eine Gruppe Antifaschisten, die nach den Protesten gegen den Naziaufmarsch auf dem Heimweg waren. Bei den Angreifern handelte es sich um ca. 30 Neonazis, die sich aus Personen der Aktionsgruppe Burg und der Nazi-Hooligan Gruppe „Blue White Street Elite“ (BWSE) zusammensetzten. Das war der Beginn eines Jahres, in dem es regelrecht jede Woche zu Auseinandersetzung zwischen Antifaschisten und Neonazis kam. Somit war das Jahr 2012 ein Jahr, das die Antifaschisten in Burg auf die Probe stellte und ein Jahr voller Höhen und Tiefen. Schlussendlich wurde es trotzdem geschafft, die Aktionsgruppe Burg in die Knie zu zwingen und es kam 2013 zur Auflösung.
Wieder wurde es eine Zeit lang ruhig in der Stadt. Das sollte aber nicht von langer Dauer sein und so gründetet sich die Partei, Die Rechte Magdeburg/Jerichower Land dessen Vorsitzender der Burger Neonazi Ingo Zimmermann war. Zimmermann hatte den Nazis wieder eine neue Anlaufstelle geboten und lies den Faschismus in der Stadt wiederaufleben. Einige Zeit später trat dann die Gruppe „Burg gegen Asylmissbrauch“ in Erscheinung. Diese organisierte in Zusammenarbeit mit Zimmermann Ende 2015 und Anfang 2016 drei Naziaufmärsche in der Stadt. Die ersten beiden Aufmärsche richteten sich klar gegen Asylbewerber und der dritte gegen „linken Terror“. Die Antifaschisten schafften es, durch direkte Aktionen gegen die Veranstalter der Demonstrationen, den Fokus der Aufmärsche von der Asylpolitik weg und auf sich selbst zu lenken, was dazu führte, dass bei dem dritten Aufmarsch keine Bürger mehr an der Demonstration teilnahmen, sondern es sich nur noch um eine Hand voll Neonazis handelte. Die dritte Demonstration war somit ein totaler Reinfall und sollte auch die letzte gewesen sein.
Im weiteren Jahr begann die Nazi Szene in Burg immer weiter zu bröckeln. Auf Aktionen der Faschisten wurde immer entschlossen und sofort reagiert, sodass auch Ingo Zimmermann dem Druck nicht mehr gewachsen war und Burg verlies. Nachdem Zimmerman die Stadt verlassen hatte, kam es noch zu vereinzelten Aktionen der restlichen Nazis. Auf diese Aktion konnte man aber jederzeit reagieren oder sie bereits im Keim ersticken, sodass es seit dem Jahre 2017 zu keinerlei Nennwerten Aktionen oder Übergriffen gekommen ist. Dennoch muss man die Lage in Burg weiter im Auge behalten, um gegebenenfalls sofort auf Veränderungen reagieren zu können.

Die Vergangenheit in Burg hat gezeigt, dass man durch einen entschlossenen Antifaschismus auch in der Provinz den Faschisten das Handwerk legen kann und man auf Erfolge wie in Burg aufbauen sollten.

Egal wann, egal wo – kein Fußbreit den Faschisten! Für einen Antifaschistischen Selbstschutz!

Magdeburg

Nach der Wende kamen Neonazikader aus dem Westen nach Magdeburg und mobilisierten zahlreiche Jugendliche, bei denen ihr Gedankengut auf fruchtbaren Boden stieß. Es bildeten sich faschistische Subkulturen, die nach und nach öffentlich-finanzierte Zentren vereinnahmten und aggressiv gegen Andersdenkende vorgingen. Dies gipfelte in den Morden an Thorsten Lamprecht(11.05.1992), Frank Böttcher(08.02.1997) und den rassistischen Himmelfahrtskrawallen im Mai 1994. Währenddessen behinderten und kriminalisierten die Bullen antifaschistische Arbeit. Ein Teil der damals aktiven Neonaziszene verschwand, der größere Teil aber blieb aktiv oder wurden es im Zuge der faschistischen Mobilisierungen 2015 erneut.
Innerhalb der faschistischen Mobilisierungen wurde stets versucht, ein bürgerliches Image aufzubauen. So gründete sich Anfang 2015 der lokale PEGIDA Ableger MAGIDA. Nach anfänglichen Mobilisierungserfolgen flachte die “Bewegung” schnell ab und es marschierten Woche für Woche die gleichen 40 Nazis auf. Außerhalb dieser wöchentlichen Selbstbespaßung mobilisierten verschiedene Nazistrukturen seit 1999 zu den traditionellen Gedenkdemonstrationen anlässig der Bombardierung Magdeburgs am 16. Januar, deren Reichweite und Mobilisierungspotenzial in den letzten Jahren deutlich abgeflacht ist. Ab 2015 gab es vereinzelte, erbärmliche Versuche diese noch immer fest in den Köpfen verankerte Tradition erneut aufleben zu lassen, zuletzt am 19.01.2019 mit 150 TeilnehmerInnen. Im selben Zeitrahmen zur MAGIDA- “Bewegung” inszenierte die AfD immer wieder größere Demos und Kundgebungen von bis zu 2000 TeilnehmerInnen, welche zumeist aus unorganisierten RassistInnen bestand. Genau diese Grauzone zeichnet das Mobilisierungspotenzial innerhalb Magdeburgs aus. Momentan organisieren die ehemaligen MAGIDA-Kader die “Bürgerinitiative Magdeburg”, welche am 10.11.2018 700 Nazis auf der Straße vereinte.
Die Magdeburger NPD spiegelt den nationalen Trend ihres Vergehens wieder und versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Ihre ehemaligen Mitglieder, vor allem aus der JN, sind weiterhin aktiv und organisieren sich in der Identitären Bewegung Magdeburg, in lokalen Rechtsrockbands und in Parteien wie AfD (inklusive der Jungen Alternativen) und “Die Rechte”. Die neue Rechte versuchte über die Gründung von Burschenschaften und das Abhalten von Veranstaltungen Fuß an der Otto-von-Guericke Universität zu fassen, was jedoch kläglich scheiterte. Bei der AfD-Veranstaltung über Gendermainstream am 12.01.2017 traten Poggenburg und Co gemeinsam mit Kadern der neonazistischen Kleinstpartei “Die Rechte” auf. “Die Rechte” gründete sich im Mai 2012. Neben ihren Bestrebungen, 2016 in den Magdebuger Landtag einzuziehen, fielen ihre Mitglieder primär durch gewalttätige Übergriffe auf MigrantInnen, Linke und alternative Jugendliche auf. “Die Rechte” rekrutierte sich aus der ehemaligen Jugendorganisation den Jungen Nationalisten und freien Kameradschaften. Außerhalb dieser Organisationen gab und gibt es immer wieder Versuche Nazistrukturen zu etablieren und zu festigen. Zu erwähnen sind dabei die Division 39 aus dem Nazi-Hoolspektrum, der 3. Weg, die autonomen Nationalisten und die Brigade Magdeburg. Innerhalb der letzten Jahre etablierten sich sich die Randbezirke Magdeburgs Nord, Neustadt, Olvenstedt und Sudenburg, als rechte Hochburgen, wo sich die Nazis vereinzelte “Safe-Zones” schaffen konnten. In der Vernetzung der vermeintlich bürgerlichen mit den radikalen Rechten ist gesondert Sudenburg zu erwähnen, wo sich in unmittelbarer Nähe voneinander das AfD-Parteibüro, der Thor-Steinar Laden und der Veranstaltungsort Halber 85 befinden.
Allgemein ist festzuhalten, dass jegliche Rechte und Nationalisten versuchen ihre ideologischen Grenzen abzubauen, um eine rechte Einheitsbewegung zu schaffen, die ein bürgerliches Image pflegt (AfD) und parallel dazu Druck auf Andersdenkende und aktive AntifaschistInnen aufbauen kann. Interne Streitigkeiten schaffen jedoch neue Grenzen, ihre Präsenz auf den Straßen wird entsprechend beantwortet und ihr inhaltliches Zusammenkommen beschränkt sich zumeist auf den Kneipentresen und das “Ziehbrett”. Trotzdem sind sämtliche Strukturen eine ernstzunehmende Bedrohung für alle, die nicht ins Weltbild der neuen, wie der alten Rechten passen. Der antifaschistische Selbstschutz ist und bleibt notwendig!

Hannover

Ähnlich wie in einigen anderen Großstädten gibt es in Hannover in den letzten Jahren keine konkrete Problematik mit Neonazis, in dem Sinne, dass Einzelpersonen konkret bedroht, verfolgt und in der Ausübung ihrer politischen Überzeugung eingeschränkt werden. Stattdessen finden in und um Hannover vermehrt Veranstaltungen neurechter sowie rechtspopulistischer Kräfte wie der AfD statt. So zum Beispiel eine „Gedenkveranstaltung“ der AfD Anfang September zur Vertreibung beziehungsweise Umsiedlung von Wolgadeutschen im Jahr 1941. Zu derartigen Veranstaltungen kommen meist in etwa 100-200 TeilnehmerInnen.
Des Weiteren gab es in der Vergangenheit immer wieder Versuche, einen Pegida-ähnlichen Aufmarsch unter verschiedensten Namen zu etablieren. So hießen die Gruppierungen zum Beispiel „Hagida“, „Pegida Hannover“ oder „Bürgerprotest Hannover“. Allesamt mit wenigen dutzend Teilnehmern, weshalb keine der Gruppierungen sich über einen längeren Zeitraum durchsetzen konnte. Zudem gab es Versuche, eine regelmäßige homophobe „Demo für Alle“ zu abzuhalten. Gegen viele der zuletzt genannten neurechten Zusammenschlüsse bildete sich mehr oder minder zahlreicher Protest.
Was das neurechte Spektrum komplettiert, ist ein unregelmäßig stattfindender Stammtisch der islamfeindlichen und rassistischen „Identitären Bewegung“. Diese hat allerdings bis auf eine Transpi-Aktion nicht sonderlich viel geschafft seit dem Tod ihrer hannoverschen Führungsperson Maximilian Elbin vor ein paar Jahren.
Aktionen von Neonazis sind in der Vergangenheit in Hannover rar gesät. Vereinzelt finden sich an Straßenlaternen Neonazi-Sticker, die aber meist nicht allzu lange kleben bleiben. Es gibt in Hannover eine inaktive, aus etwa 15-20 Personen bestehende GSD (Gemeinsam Stark Deutschland) Ortsgruppe. Zudem mehren sich rechte Fußballfans und Hooligans in der Fankurve des Bundesligateams von Hannover 96.
Der überregional bekannte Neonazi Patrick Kruse wohnt nach einem Aufenthalt in Chemnitz ebenfalls wieder in Hannover, ist allerdings seit seiner Rückkehr nicht mehr großartig in Erscheinung getreten, was verwundert, da er in der Vergangenheit durch Projekte wie der „Balaclava Küche“ oder dem „Rechten Plenum“ auch über seinen Wohnort hinaus auf sich aufmerksam machte. Ansonsten finden sich rechte Aktivitäten vereinzelt im Umland von Hannover beziehungsweise dem Schaumburger Land.

Kampagne

Es wird im Norden und Osten im nächsten Jahre eine antifaschistische Kampagne geben, in einigen Städten aus der Broschüre. Informationen folgen…